Das Kinderhaus Regenbogen steht seit rund 30 Jahren für vielerlei Entwicklungen in der Tagesbetreuung für Kinder.

Deshalb ist ein Blick auf die Geschichte des Kinderhauses Regenbogen, auch ein Blick auf fachliche und gesamtgesellschaftliche Entwicklungen.

Diese sind jedoch immer auch im Kontext der Verortung in der Landeshauptstadt Stuttgart und in Baden-Württemberg zu sehen.

Die Zusammenstellung der Geschichte  ist derzeit noch in Arbeit, aber wir hoffen, dass wir  die Lücken bald gefüllt haben.

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1983

Eröffnung der “Kindertagesstätte St.Elisabeth”

 

als reine Ganztageseinrichtung für 90 Kinder   -   40 Kindergartenkinder / 50 Schulkinder

 

Öffnungszeit:   6:30 Uhr bis 17:00 Uhr

1989

Festlegung nach einem halbjährigen teaminternen Diskussionsprozess:

 

“Das Kinderhaus Regenbogen soll zu einem Haus für alle Familien des Einzugsgebiets werden.“

 

Fachlich betrachtet, bedeutete diese Aussage einen ersten Schritt zur Sozialraum- und Lebensweltorientierung. (siehe hierzu auch folgende Folie aus dem Jahr 1989 - diese Folie wurde von uns anlässlich der Vorstellung unseres Hauses im Rahmen einer Vorlesung an der Hochschule Esslingen genutzt und findet bis heute immer wieder Verwendung bei diversen Vorträgen)

1989

Auflösung der traditionellen Gruppen, Einstieg in die Altersmischung zwischen Kindergarten- und Schulkindern (3 - 14 Jahre) und Umgestaltung der Räume zu tätigkeitsorientierten Bildungsbereichen.

 

Dadurch wurde es möglich, flexibel auf die Bedarfe im Sozialraum “Vogelsang” / Stuttgart-West zu reagieren. Zugleich wurde das Bezugserzieher/innensystem eingeführt, wodurch eine kontinuierliche Begleitung der Kinder und ihrer Familien über die verschiedenen Altersstufen hinweg durch eine Bezugsperson gesichert wurde.

 

Fachlich wurde die Auflösung der klassischen Gruppenstrukturen durch eine Projektgruppe der Universität Tübingen begleitet. In diesem Zusammenhang bekamen andere, aus der täglichen Praxis heraus entstandene Gruppenbildungen, auch durch die Kinder selbst, einen höheren Stellenwert.

1990

Einführung von flexiblen Betreuungsformen für Schulkinder   -   Teilzeitplätze / Sharingplätze

 

Die Einführung dieser Betreuungsform war eine Antwort auf die Bedarfslagen von Familien, deren Schulkinder durch Mittagsschule oder andere Aktivitäten keinen Bedarf für eine tägliche Betreuung hatten. Die bis dahin einzigen Lösungen waren, den Platz komplett zu behalten und zu zahlen oder abzumelden, obwohl für einzelne Tage noch ein Betreuungsbedarf bestand. Somit war die Einführung dieses Angebots auch eine Antwort auf die bundesweit geführte „Lückekinder“ – Diskussion, wonach Kinder zu bestimmten Phasen ihres Tages- und Wochenlaufes mangels passgenauer Angebote unbetreut waren.

1991

Einstieg in die Betriebsformenmischung

 

Mit der Aufnahme des ersten Kindes mit einer “nur” sechsstündigen Betreuungszeit wurde die starre Abgrenzung der Einrichtungen mit unterschiedlichen Betreuungsangeboten, wie Regelbetreuung (mit Mittagspause), VÖ-Betreuung (durchgängig sechs Stunden) und Ganztagesbetreuung (ab acht Stunden) durchbrochen. Ziel war es, die Stigmatisierung der Elternschaft in Ganztageseseinrichtungen abzubauen und durch die Betriebsformenmischung flexibel auf sich ändernde Bedarfe in Familien eine Antwort zu haben. Dieser Ansatz führte somit zur Kontinuität in der Betreuung und vermied den Wechsel der Einrichtung, der gegebenenfalls je nach Bedarf notwendig wurde.

1992

Aufnahme des ersten Kindes mit Behinderung

 

“Das Kinderhaus Regenbogen soll zu einem Haus für alle Familien des Einzugsgebiets werden.“ Mit diesem Satz war der Weg zur Aufnahme von Kindern mit Behinderungen bereits vorgezeichnet, ohne dabei schon die Tragweite dieser Aussage zu erkennen. Dabei ging es nicht nur um die Vermeidung der Ausgrenzung eines Kindes, sondern auch um die Vermeidung der Ausgrenzung der Eltern. Denn unstrittig ist, dass die Tageseinrichtungen für Kinder auch Begegnungsorte für Familien im Gesamten sind.

Mangelnde Rahmenbedingungen, aber auch mangelndes Bewusstsein für das Thema “Inklusion”  machten die ersten Schritte sehr mühsam. Trauriger oder auch notwendiger Höhepunkt auf diesem Weg war hierbei eine Klage vor dem Verwaltungsgericht gegen den örtlichen Sozialhilfeträger, hier die Landeshauptstadt Stuttgart, auf Gewährung von Eingliederungshilfen, um dem Kind die Teilnahme am Leben in der Gemeinschaft zu ermöglichen. Diese erfolgreiche Klage war sicherlich ein Meilenstein auf dem Weg zur heutigen Debatte um das Thema Inklusion.

1993

Namensänderung:   Kinderhaus Regenbogen

 

Die Entwicklungen des Kinderhauses Regenbogen haben sowohl im Selbstverständnis, als auch in der Angebotsstruktur einen neuen Typus von Einrichtung geschaffen. Bisherige Begrifflichkeiten, wie Kindergarten, Tagheim oder auch Hort passten nicht mehr. Wir wollten ganz einfach ein Hau für Kinder und deren Eltern sein. Der intern hoch gehandelte Begriff “Familienhaus” konnte sich damals leider nicht durchsetzen, so entstand der Begriff Kinderhaus und der neue Name Kinderhaus Regenbogen, ein Name mit dem wir bis heute ganz gut leben und der zu einem Begriff in der Fachwelt wurde.

Wenn wir die heutigen Diskussion um Familienzentren sehen, dann müssen wir feststellen, dass wir mit unserer Idee eines Familienhauses und unseren Entwicklungen Ende der 90er-Jahre (siehe Stationen ab 1996) der Zeit wohl ein wenig voraus waren.

ab 1995

Entwicklung eines internen Qualitätsansatzes

 

Der Qualitätsansatz „PENTA“ unseres Hauses entstand 1995 - 1998 im Rahmen einer vierjährigen Begleitung zur Weiterentwicklung des Hauses. Finanziert wurde diese Entwicklung aus Projektmitteln der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Der Ansatz hatte keinerlei Vorbilder, da er bereits vor dem Entstehen anderer Qualitätsansätze entstand. Der Qualitätsansatz wurde vom Team des Kinderhauses Regenbogen unter der Leitung von Michael Walter in Zusammenarbeit mit der externen Begleitung durch Angelika Kercher / Tübingen erarbeitet und stellt wohl den ersten direkt aus der Praxis einer Einrichtung entstandenen Ansatz dar.
Inhaltlich ist der Qualitätsansatz ein Instrument zur planmäßigen, gezielten Entwicklung, Dokumentation und Evaluation der Prozess-, Orientierungs- und Strukturqualität. Aussenstehende, wie Frau Prof. Dr. Lore Miedaner / Hochschule Esslingen, sprachen zudem bei der Vorstellung in Fachkreisen, auch von einem Qualifizierungskonzept für das Team.

1996

Aufbau des Fachdienstes “Erziehungs- und Eingliederungshilfen”

 

Im “Entwicklungsrahmen für die Kinderbetreuung in Stuttgart - Bestandsaufnahme und Fragestellungen für die Weiterentwicklung” aus dem Jahr 1997 heißt es:

“Die weitestgehenden Innovationen in der Betreuung wie Betriebsformenmischung und Integration erziehungsschwieriger Kinder in einer Regeleinrichtung und Erprobung neuer Formen der flexiblen Hortbetreuung werden im Katholischen Kinderhaus Regenbogen in der Vogelsangstraße beschritten.”

Die Fachliteratur schreibt an anderer Stelle: “Das Kinderhaus Regenbogen in Stuttgart steht für das Aufbrechen der Versäulung in der Jugendhilfe”

Auch hier war die Grundlage unseres Handelns das Selbstverständnis: “Das Kinderhaus Regenbogen soll zu einem Haus für alle Familien des Einzugsgebiets werden.“

Integrierte Unterstützungs- und Fördermaßnahmen und Aufarbeitungshilfen für Kinder in schwierigen Lebenssituationen (Trennung der Eltern, Todesfall in der Familie, …) etablierten sich im Leistungsprofil des Kinderhauses. Eine Heilpädagogin, die über Fachleistungsstunden refinanziert wurde, sicherte die Erbringung der einzelnen Maßnahmen und sorgte dafür, dass das Team des Kinderhauses multiprofessionell aufgestellt wurde. Das Wissen und die Kompetenzen innerhalb des Teams wurden auf eine neue fachliche Ebene gehoben.

1996

Einführung eines Fachdienstes für Familien

 

 

2001

Ausbau des Fachdienstes Erziehungs- und Eingliederungshilfen

 

 

2001

Veränderung der Öffnungszeiten

 

 

2003

Beendigung der Erziehungshilfen

 

 

2006

Start der Kooperation mit I.S.AR.

 

Während in Deutschland das “Sommermärchen” stattfindet (Fussballweltmeisterschaft 2006) - startet im Kinderhaus Regenbogen für manche Eltern ein anderes Märchen. Mit Hilfe eines Kooperationspartners wird seit Juli 2006 im Kinderhaus eine Abendbetreuung bis 20:00 Uhr und eine Samstagsbetreuung von 09:00 Uhr bis 16:00 Uhr angeboten.

2007

Erweiterung des Angebots um eine Krippengruppe

 

Im Jahr 2007 erfolgte ein Umbau im Kinderhaus. Mit der Hinzunahme einer Wohnung im Obergeschoss wurde die Gesamtfläche erhöht. Dies ermöglichte die Erweiterung des Angebots um 10 Plätze für Krippenkinder.

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2010 / 2011

Projekt:   Hochflexibles Kinderhaus – prozessorientierte Analyse und Konzeption

 

Die Vielfalt der unterschiedlichen bedarfsgerechten Angebote für Familien und deren Kinder, sowie die zunehmende Komplexität der Abläufe im Kinderhaus Regenbogen, machen wieder einmal grundlegende Überlegungen bezüglich der Organisation Kinderhaus Regenbogen erforderlich. Im Rahmen eines Projektes - finanziert aus Mitteln des Zukunftsfonds der Diözese Rottenburg-Stuttgart -  wurde ein erster Schritt zu einer neuen Organisationsform im Kinderhaus Regenbogen entwickelt.   >   Projektbericht

2013

Fachkräftemangel

 

Auch wir bleiben nicht vom Fachkräftemangel verschont. Durch verschiedene Massnahmen versuchen wir die Folgen abzufedern. Hierzu gehört auch die Anstellung von zwei spanischen Fachkräften, die im Rahmen eines sogenannten einjährigen “Anpassungslehrgangs” die Anerkennung ihres spanischen Abschlusses erhalten und für uns somit als Fachkräfte tätig sein können.

2014

Abbau der Hortplätze

 

Der Beschluss des Stuttgarter Gemeinderats die Betreuung der Grundschulkinder künftig über Ganztagsgrundschulen  zu organisieren, führt ab 2014 zu einem schrittweisen Abbau der Betreuungsplätze für Schulkinder. Die freiwerdenden Plätze sollen im Gegenzug in Plätze für Kinder unter 3 Jahren umgewandelt werden.

2015

Umwandlung der Hortplätze

 

Die Umwandlung der Hortplätze in Plätze für Kinder unter 3 Jahren erfordert grundlegende bauliche Veränderungen des Gebäudes. Hierfür ist ein entsprechender Zuschussantrag bei der Stadt Stuttgart für den Doppelhaushalt 2016/2017 gestellt. Bei Bewilligung beginnen im Jahr 2016 die konkreten Planungen. Mit einem Baubeginn ist dann ab 2017 zu rechnen.

2016

Bundesprogramm KitaPlus

 

Nachdem es seit 2006 in Kooperation mit der I.S.AR. Stuttgart gGmbH das Angebot der Abend- und Samstagsbetreuung in  unserem Kinderhaus gibt, war es für uns naheliegend das Bundesprogramm KitaPlus zu nutzen, um diese erweiterten Betreuungszeiten in das “Regelangebot” des Kinderhauses Regenbogen in der Trägerschaft unserer Kirchengemeinde St.Elisabeth zu überführen. Deshalb laufen derzeit die erforderliche Interessensbekundung und das offizielle Bewerbungsverfahren. Die Kooperation mit der I.S.AR. Stuttgart gGmbH wird weiterbestehen, da auch künftig nicht alle Angebote über “KitaPlus” abgedeckt werden können.

 

Sobald wir eine offizielle Zusage aus Berlin haben, werden wir die Angebote in Trägerschaft von St.Elisabeth starten. Auch dieser Meilenstein im Kinderhaus Regenbogen ist wieder ein Beweis dafür, wie nahe die Katholische Kirche, zumindest hier im Stuttgarter Westen, an den Menschen und deren Lebenswirklichkeiten sein kann.

Wie oben erwähnt, ist die Geschichte des Kinderhauses Regenbogen geprägt von ständigen Entwicklungen.

Diese stellen wir derzeit neu zusammen und hoffen, dass wir “unsere Geschichte” bald aktualisiert haben. Bis dahin bitten wir Sie noch um ein wenig Geduld.

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2017_Gartenaktion (2)